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労度時間 Rôdôjikan
Arbeitszeit

Japaner arbeiten endlose Überstunden und schuften bis zum Umfallen. So lautet das gängige Klischee, das mehr als nur ein Vorurteil ist.

Wer mit Japan zu tun hat, wundert sich kaum über Mails, die zu nachtschlafender Zeit in Tokyo abgeschickt werden. Statistiken belegen, was das Gefühl nahelegt: Japan schafft es bei der OECD seit Jahren in die Top five der Länder mit den meisten Überstunden. Und die Tendenz ist steigend. So arbeitete im Jahr 2014 ein Vollzeitangestellter laut dem japanischen Arbeitsministerium 173 Überstunden. Das sind 3 Stunden mehr als 2013 und 36 Stunden mehr als vor zwei Jahrzehnten. Die „Dunkelziffer“ dürfte deutlich höher ausfallen, da viele Mitarbeiter ihre Überstunden nicht offiziell buchen und dem Arbeitgeber quasi schenken.

Dennoch - es tut sich etwas in punkto japanische Arbeitszeiten. Das zeigt der jüngste Vorschlag des Textil-Discounters Uniqlo, dem japanischen Äquivalent zu H&M. Das Unternehmen bietet seinen Arbeitnehmern eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten an. Ihre 40-Stunden Woche (in Japan 1997 offiziell eingeführt) können Mitarbeiter nun an vier Tagen der Woche absolvieren und im Anschluss - allerdings grundsätzlich nicht am Wochenende - drei Tage hintereinander freinehmen. Das Projekt läuft vorerst als Versuch mit 2000 Mitarbeitern.

Mit dem Programm entspricht Uniqlo nach eigener Einschätzung einigen zentralen Forderungen der Regierung Abe: Flexible Einsatzzeiten und bessere Rahmenbedingungen für weibliche Angestellte. Doch das Unternehmen handelt nicht nur aus Edelmut. Wie vielen anderen Firmen droht Uniqlo der Verlust von Vollzeitkräften. Wegen Kinderbetreuung oder Altenpflege sind immer mehr Arbeitnehmer gezwungen, in Teilzeit zu gehen oder ganz auszuscheiden, falls das nicht möglich ist. Dem möchte das Unternehmen entgegenwirken.

Es bleibt abzuwarten, ob das Programm angenommen wird. Immerhin bedeutet es vier Regelarbeitstage à 10 Stunden sowie Wochenendeinsätze. Doch der Vorstoß von Uniqlo ist in jedem Fall bedeutsam – zeigt er doch, dass die Ansprüche japanischer Angestellter allmählich zu einem Umdenken in der Arbeitswelt führen.

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