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Ehrlichkeit - 正直 - Shojiki
(02. Mai 2017)


Sollten Sie je in Japan etwas an einem öffentlichen Ort vergessen oder liegen lassen, machen Sie sich keine allzu großen Sorgen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Hab und Gut wieder in Ihre Hände kommt, ist vermutlich höher als irgend sonst auf der Welt. Ob es sich um vergessene Portemonnaies, beim Abheben im Geldautomaten stecken gelassenes Geld oder im Waschraum zurückgebliebene Ringe handelt: Vermutlich befinden sich Ihre Wertsachen noch exakt dort, wo Sie sie verloren haben oder ein ehrlicher Finder hat sie der Polizei übergeben.

Die Ehrlichkeit der Japaner ist sprichwörtlich, doch woher kommt sie?
Fragt man Japaner selber, so erhält man häufig diese oder eine ähnlich lautende  Antwort:
Verantwortung für das Gemeinwohl und Sich-in-Andere-Hineinversetzen spiele in der japanischen  Erziehung von klein auf eine wichtige Rolle.  Daher müsse man sich beim Finden verlorener Gegenstände folgende Fragen stellen: Wie kann ich persönlich dazu beitragen, dass das hohe Gut der öffentlichen Sicherheit (chi an 治安) erhalten bleibt und Kriminalität keine Chance hat?
Was wäre, wenn ich etwas Wertvolles verloren habe?


Neben moralischen Überlegungen spielen bei der Finderehrlichkeit gewiss aber auch praktische Anreise eine Rolle: Meldet sich der ursprüngliche Besitzer nicht innerhalb von drei Monaten, so gehört der Gegenstand automatisch dem Finder. Sollte der Eigentümer doch auftauchen, ist ein gesetzlich garantierter Finderlohn von bis zu 20% sowie die Erstattung aller entstandenen Kosten fällig.

Nur für einen Gegenstand gilt das Gesetz der Ehrlichkeit wohl nicht: Regenschirme scheinen als Allgemeingut betrachtet zu werden und verschwinden an regnerischen Tagen gerne einmal Weise aus den Ständern. Wohl auch deshalb gibt in vielen öffentlichen Gebäuden abschließbare Schirmständer.

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